25.02.2020
Zwei Weltenbummler bei ehrenamtlicher Vortragsreihe im Europa-Park

Sonja Zitzmann und Burkhard Pieske über Abenteuer, Erlebnisse und Erkenntnisse

„Es ist dein Leben!“ dieser Satz steht den ganzen Abend vor den Augen der Zuhörer. Er prägt sich ein und lässt sie nicht mehr los. Denn zwei Menschen stehen am 17. Februar auf der Bühne, die so selbstbestimmt wie nur möglich leben. Sonja Zitzmann, Jahrgang 1981, tauschte 24 Monate lang Büro und Karriere gegen die Welt und Burghard Pieske, 76 Jahre jung, Abenteurer, Weltumsegler und Publizist, wagt bis heute die spektakulärsten Expeditionen. Im Rahmen von Marianne Macks ehrenamtlicher Vortragsreihe „Neue Perspektiven“ berichten sie über freiwillige und unfreiwillige Erlebnisse und Erkenntnisse.

Spannende Geschichten, denn Weltenbummler sind sie beide, doch Sonja Zitzmann ist wieder eingestiegen, wenn auch nicht an der gleichen Stelle. Der ursprüngliche Job, ein größeres Auto und eine Designer-Tasche? Undenkbar.

Gemeinsam mit ihrem damaligem Freund und heutigen Ehemann Sebastian Zitzmann bereist sie die Welt: Kapverden, China, Australien, Neuseeland, Tonga, Fidschi, Vanuatu, Thailand, Myanmar, Bali und Nepal. Wunderschöne Landschaftaufnahmen bezaubern die Zuhörer und die junge Frau berichtet begeistert von ihren Erlebnissen: Gastfreundschaft, glückliche Menschen, großes Vertrauen und keine einzige bedrohliche Situation. Zwar wenig Geld, doch sie finden immer Jobs. Ihre Beziehung hält nicht, sie trennen sich, finden wieder zueinander und müssen einiges klären. Das härteste Erlebnis für Sonja: etliche Tage im Schweigekloster, ohne Sebastian. Allein mit ihren Gedanken, Gefühlen, Wünschen und Ängsten. Sie weiß jetzt, dass sie wieder nach Hause will, das ist ihr Platz in der Welt; doch sie weiß auch, dass sie nicht einfach dort anknüpfen kann, wo sie aufgehört hat. Ihr Partner Sebastian kommt an einem anderen Ort und mitten im Trubel zu der gleichen Erkenntnis. Er hat gerade erfahren, dass seine Schwester ein Baby erwartet. Nach zwei Jahren kehren sie zurück, bauen sich ein neues Leben auf, heiraten, bekommen zwei Kinder, einen Hund und sehen voller Vertrauen in die Zukunft. Im Vortragsraum La Scala des Hotels Colosseo im Europa-Park sind die Zuhörer fasziniert und so mancher denkt an seine Träume…

Und Burghard Pieske? Er lässt sich bis heute den Wind um die Nase wehen. Man glaubt nicht, dass der Mann bereits 76 Jahre Lebenserfahrung hat. Diese Stimme, Figur und Motorik, diese Lebhaftigkeit und wachen Augen kann man nur bewundern. Expedition „Wiking Saga“ ist sein Thema, denn dieses berühmte hölzerne Drachenboot, mit dem er die klassische Wikingerroute 1991/1992 gesegelt ist, hängt heute an der Decke des Restaurants Bubba Svens im Hotel Krønasår des Europa-Park. Auf den Spuren des Wikingers Leif Erikson, der Amerika 500 Jahre vor Columbus entdeckte, wagt er mit seinen beiden Begleitern diese sensationelle Reise von Dänemark über Norwegen, die Shetlands und die Färöer nach Island, Grönland und bis in die neue Welt. Sie segeln ohne Kompass und Karten, ohne Komfort und Technik, ohne Kajüte und Motor, nur mit Sonnenscheibe, Rahsegel und Seitenruder. Ein Begleitboot filmt die ganze Geschichte, Burghard Pieske kommentiert und erzählt und den Zuschauern stockt der Atem. Er lässt die Wikinger wieder aufleben, begeistert mit seiner Euphorie, mit seinem Humor und seinem wunderbaren Lübecker Dialekt. Dass dieser geborene Abenteurer in seinem „früheren“ Leben sechs Jahre lang verbeamteter Lehrer war, kann sich keiner vorstellen. Auch er tauschte Sicherheit gegen die Erfüllung seiner Träume und arbeitete in den Wintermonaten. Wieder zurück in den Schuldienst? Undenkbar.

Nach atemberaubenden drei Stunden stehen beide Referenten auf der Bühne, die junge Frau und der jung gebliebene Mann. Sie halten sich an der Hand und freuen sich über den Applaus, der nicht enden will. Der wichtigste Satz an diesem Abend: Es ist dein Leben, habe Vertrauen und traue Dich!

Der schönste Satz für Lena, neun Jahre und schwerstbehindert: Du kannst wieder mit deiner Mutter im Anhänger Fahrrad fahren! Denn über Marianne Macks Förderverein „Santa Isabel e.V. - Hilfe für Kinder und Familien“ wird mit den Spenden dieses Abends ein E-Bike gekauft werden, das es der Familie sehr viel leichter macht. 

 

 

 

  • Barbara Dickmann (li.) und Marianne Mack (re.) mit den beiden Referenten Sonja Zitzmann und Burghard Pieske

  • Rund 200 Zuhörer bei der ehrenamtlichen Vortragsreihe im Hotel Colosseo

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